Edewecht - Mit einem Klick im Internet feststellen, ob das eigene Dach für eine Solaranlage geeignet ist – das soll bald in der Gemeinde Edewecht funktionieren. Zwei Solarpotentialkataster für Dach- und Freiflächen könnten zukünftig allen die Entscheidung erleichtern, ob sie sich eine Photovoltaikanlage zulegen wollen. So will die Gemeinde ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung leisten.
Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen bundesweit um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Um das zu erreichen, müssen wegfallende fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzt werden. In Edewecht lag der Anteil daran 2019 bei rund 27 Prozent. Es besteht also auch hier Handlungsbedarf. Laut Verwaltung bietet die Solarenergie dabei lokal große Potentiale, da sie – verglichen mit anderen Energien wie Windkraft oder Biogas – vergleichsweise einfach, günstig und konfliktarm ist.
Solar für Dachflächen
Mithilfe eines Solarpotentialkatasters für Dachflächen soll die solare Einstrahlungsintensität, die Neigung und Ausrichtung sowie die Verschattungen jeder Dachfläche im Gemeindegebiet automatisiert ausgewertet und über eine Online-Karte frei zugänglich sichtbar. In der Stadt Oldenburg gibt es ein solches Kataster bereits.
Für das Projekt fallen Kosten von 18.000 Euro an, die zu 100 Prozent durch zu erwartende Zuschüsse gedeckt werden. Dazu kommt eine jährliche Hosting-Gebühr für die Online-Karte in Höhe von rund 600 Euro.
Interessierte Nutzerinnen und Nutzer können laut Beschreibung mit einem Klick einsehen, ob ihre Dachfläche für die Errichtung einer Solaranlage geeignet ist. Mit einem ebenfalls angebotenen Wirtschaftlichkeitsrechner kann die Solaranlage individuell auf die Bedürfnisse des Nutzers ausgelegt werden – beispielsweise hinsichtlich des Energieverbrauchs, der typischen Hauptnutzungszeiten von Strom oder ob ein Elektroauto oder ein Batteriespeicher vorgesehen sind.
Ebenso kann die virtuelle Platzierung der Solarmodule manuell oder automatisch vorgenommen werden. In der Folge erhalten die Nutzer eine erste Einschätzung, ob das eigene Dach für eine Solaranlage geeignet ist.
Zudem wird sichtbar, mit welchen Investitionskosten zu rechnen ist und wann sich die Anlage wirtschaftlich rentiert. „Durch die leichte und niederschwellige Bedienbarkeit des Solardachkatasters werden erfahrungsgemäß viele Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende oder Immobilienbesitzer angesprochen, die seit langem mit einer PV-Anlage liebäugeln, aber bisher nicht von einem wirtschaftlichen Potential ausgegangen sind“, hofft die Verwaltung. Auch die gemeindeeigenen Liegenschaften sollen auf ihre Solareignung hin überprüft und entsprechend aufgerüstet werden. Allerdings: Das Solardachkataster ersetzt keine Beratung durch ein Fachunternehmen. Insbesondere kann es keine Aussagen zur Gebäudestatik treffen.
Solar für Freiflächen
Um die Klimaziele zu erreichen, wird laut Verwaltung der Ausbau von Dachflächen mit Solarenergie nicht ausreichen. Also könnten Freiflächensolaranlagen einen weiteren Baustein im Technologiemix darstellen. So sollen „ertragsschwache landwirtschaftliche Gebiete“ künftig als Photovoltaik-Standorte genutzt werden. Allerdings will die Gemeinde die Nutzung von Dachflächen der Nutzung von Freiflächen immer vorziehen.
Mit einem Solarpotentialkataster für Freiflächen könnte die Verwaltung dennoch in der Lage sein, geeignete Flächen im Gemeindegebiet zu identifizieren. Dabei sollen Naturschutz, Verträglichkeit mit der Landschaft und die Entfernung zum Netzanschlusspunkt beachtet werden. Das Kataster für Freiflächen werde anders als das öffentliche für Dachflächen nur der Verwaltung zur Verfügung stehen.