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Lebensweg Zeichnung wächst seit 20 Jahren

Heidi Scharvogel
Konzentriert: Andrey Gradetchliev legt letzte Hand an ein Gemälde.

Konzentriert: Andrey Gradetchliev legt letzte Hand an ein Gemälde.

Heidi Scharvogel

Oldenburg - 40 Meter lang und seit 20 Jahren in Arbeit ist das „Lineare Meter Publikum“ von Andrey Gradetchliev. Angefangen hat er das Bild als Teil seiner Diplomarbeit an der Akademie der Künste in Sofia.

Denn der Oldenburger Künstler stammt aus Bulgariens Hauptstadt, lebte aber bis zu seinem siebten Lebensjahr in Ulm. Dort hatte seine Mutter ein Engagement als Primaballerina. Da die Eltern des 55-Jährigen nicht in der kommunistischen Partei waren, mussten sie jedes Jahr erneut ein Visum beantragen. Als das immer problematischer wurde, entschieden sie in Sofia zu bleiben.

Sein Vater war auch Künstler und „unser Haus immer voller Leute aus der Kunstszene. Das hat mich geprägt“, sagt Andrey Gradetchliev. Dennoch hat er als Jugendlicher ernsthaft Wasserball gespielt. Durchaus mit dem Ziel, den Sport zum Beruf zu machen – fand die Kunstwelt aber schließlich doch spannender.

Familienmensch

Also folgte auf das Kunstgymnasium ein Grafikdesign- und Illustrationsstudium an der Akademie in Sofia. Mit den ersten Teilen des „Linearen Meter Publikum“, das verschiedenste nebeneinander sitzende Menschen zeigt, bewarb er sich für ein Stipendium in Worpswede und bekam es. Frisch verheiratet zog Gradetchliev mit seiner schwangeren Frau, die er an der Kunstakademie kennengelernt hatte, nach Deutschland.

Über eine Festanstellung als Theatermaler in Hof (Bayern) kam er 2002 nach Oldenburg, wo er seitdem als selbstständiger Künstler lebt und arbeitet – „60 Stunden pro Woche, aber das ist okay. Ich mag was ich mache und es läuft. Das ist wunderbar“, freut sich Andrey Gradetchliev.

Dass seine Frau eine feste Stelle in Oldenburg hatte, war entscheidend, sonst hätte der Familienmensch seinen Job nicht gekündigt: „Das Risiko wäre zu groß gewesen. Schließlich war unsere Tochter damals noch klein.“

Hohe Lebensqualität

Seine ersten Eindrücke von Oldenburg: Ein Artikel im „Spiegel“ über die Städte, in denen die Menschen am zufriedensten sind. Oldenburg lag auf Platz zwei. Ein Besuch im Stadtmuseum, wo er schnell darauf stieß, dass Oldenburg die erste Stadt mit einer Nazi-Mehrheit im Rathaus war. „Aber sie verstecken es nicht, sondern setzen sich klar damit auseinander. Das finde ich positiv“, war Andrey Gradetchlievs Reaktion.

Das sehr hohe Niveau des Theaters Laboratorium hat ihn sehr beeindruckt. Der Verriss eines Stückes am Staatstheater in der NWZ überzeugte ihn, nicht in der Provinz gelandet zu sein. Denn „in Hof ist einfach jedes Stück in der Lokalzeitung hochgejubelt worden.“

Andrey Gradetchliev trat dem Bund Bildender Künstler in Oldenburg bei, fand Freunde und knüpfte ein Netzwerk.

Austausch mit Jugend

Er ist in verschiedenen künstlerischen Bereichen aktiv, übernimmt Aufträge als Grafiker, Illustrator, Reproduktionsfotograf und unterstützt Jugendliche an der Kunstschule Oldenburg dabei, Bewerbungsmappen für künstlerische Studiengänge anzufertigen. „Ich arbeite sehr gern mit den Jugendlichen. Den Austausch möchte ich nicht missen“, stellt der Künstler fest.

Nicht zu vergessen natürlich seine Gemälde, die sich mit verschiedenen Themen befassen, wie etwa Häfen oder persönlich wichtigen Ecken Oldenburgs. Der rote Faden in seinen Werken ist die Strichzeichnung. Sie findet sich in allen Bildern.

Besonders ausgeprägt auch in den schwarz auf weiß gezeichneten Menschen des „Linearen Meter Publikum“. Zurzeit arbeitet Gradetchliev in seinem Studio in der Alten Brennerei Hilbers wieder an einem der 1,4 mal 2 Meter großen Einzelbilder. Sie stehen für sich allein, ergeben aneinandergereiht aber auch ein großes Bild. Alle zusammen müssten doch toll aussehen. „Ja, aber das ist unwahrscheinlich. Sie sind über Europa und die USA verstreut.“

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