Oldenburg - Gebückt stehen die Jungen an der Bahn. Daniel und Magnus haben die Startknöpfe in der Hand, beide sind voll konzentriert. Sobald das Licht aufleuchtet, drücken sie ab. Katapultstart. Das Rennen dauert nur knapp zwei Sekunden. Doch in dieser Zeit haben sich die Boliden auf der 20 Meter-Bahn auf fast 80 km/h beschleunigt. Die Schüler sind begeistert, endlich können sie die Bahn – ein Geschenk der Visbeker Firma Schulz System Technik - austesten.
Angetrieben werden die Autos mit kleinen Gaskartuschen, die nach jedem Lauf gewechselt werden müssen. „Zum Training nehmen wir günstige Sprühsahne-Kapseln,“ sagt Ben. „Die Autos fahren damit zwar nicht so exakt, für den Spaß aber reicht es,“ lacht er. Zum Rennen nehmen sie richtige Modellbau-Kapseln. Seit mehreren Jahren nimmt die Liebfrauenschule Oldenburg damit an Regionalmeisterschaften teil und tritt gegen Schulteams aus Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen an. Wer sich qualifiziert, darf zur deutschen Meisterschaft. Die Liebfrauenschule durfte schon dreimal.
Begabtenförderung
Der Formel-1 Bau ist das Produkt einer Begabtenförderung, die seit einigen Jahren fächerunabhängig an der Schule betrieben wird. Die Schule ist, sagt Markus Schnötke, Fachgruppenleiter Biologie und Chemie, anerkannte MINT-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und arbeitet im Forschungszentrum Nordwest mit Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen aus der Region zusammen. Die Partner hatten Schulleiter Achim Krebber und seine Kollegen jetzt eingeladen, um ihnen die technische Ausstattung und High-Tech-Produkte wie die Formel 1 zu zeigen. Mit zwei Geräten hatte es vor sechs Jahren angefangen. Vor einem halben Jahr kamen acht Geräte hinzu. Bezahlt wurden sie von der niedersächsischen Initiative n21. Als eine von 30 Schulen in Niedersachsen hatte sich die Liebfrauenschule erfolgreich um eine Förderung bemüht. Mit seinem Kollegen Dr. Ralf Vogelgesang kümmert sich der MINT-Beauftragte Schnötke um die inzwischen zehn 3D-Drucker. Vogelgesang und Annica Skupch vom Forschungszentrum Nordwest leiten beide eine Drucker-AG mit je 10 bis 14 Schülern und Schülerinnen. Salatschilder für den Garten, Corona-Spuckschutzscheiben und -Teströhrchen, auch Geschenke für Oma und Opa entstehen hier. Für die Rennwagen interessieren sich aber nur die Jungen. Ein Autodruck mit Solid Edge, einem professionellen 3D-CAD Programm, dauert anderthalb Tage.
Schüler bestimmen selbst
Was die Schüler entwerfen und drucken, bestimmen sie selbst. Sie gehören zu einer Gruppe besonders begabter Jugendlicher, die gezielt zur Mitarbeit eingeladen werden. Wer mitmacht, wird pro Woche für zwei Unterrichtsstunden freigestellt. Und sie sollen kreativ sein. „Wenn die Schülerinnen und Schüler am Ende nur so viel können wie wir, beschränken wir sie zu sehr,“ ist Physik-Fachleiterin Barbara Becker-Fränzle überzeugt. „Wir wollen keine Kaderschmiede werden für MINT, aber viele Schüler sind besser als wir. Gemeinsam um dem Wissensstand zu ringen, ist extrem spannend,“ sagt Achim Krebber.