Ganderkesee - Als am vergangenen Freitag drei der sechs Ganderkeseer Ortsfeuerwehren mit einem Großaufgebot zum Flugplatz an der Otto-Lilienthal-Straße eilten, waren die Einsatzkräfte auf das Schlimmste vorbereitet: Gemeldet worden war ein Flugzeugabsturz. Beim Eintreffen fanden die Retter neben der Landebahn einen zerstörten Tragschrauber vor. Im Inneren des einem Mini-Hubschrauber ähnelnden Fluggeräts der leicht verletzte Pilot und eine schwer verletzte Mitfliegende. Wie es genau zu der Bruchlandung kam, steht noch nicht fest.
2021 ist, so scheint es, mit Blick auf die Sicherheit kein gutes Jahr. Für den seit mehr als 50 Jahren bestehenden Verkehrslandeplatz drängt sich eine Frage auf: Wie sicher ist der Flugbetrieb?
Weitere Zwischenfälle
So musste Ende Mai eine Schulmaschine auf einem Wartungsflug sofort nach dem Start notlanden – das einzige Triebwerk der Piper PA 38 war ausgefallen. Der Vorfall hätte sich zur Katastrophe entwickeln können, dem Piloten gelang jedoch die Notlandung auf einem Acker. Verletzt wurde niemand.
Ende August stürzte ein Fallschirmspringer in den Tod, die Leinen des Haupt- und des Rettungsschirms hatten sich verheddert.
Anfang September verfehlte ein Fallschirmspringer sein Ziel, er blieb in einem Baum hängen. Den Unverletzten befreite die Feuerwehr mit der Drehleiter.
Zu möglichen Sicherheitsmängeln befragt, bezog Flugplatz-Safety-Manager Jochen Klein klar Position: „Wir haben es mit grundverschiedenen Ursachen zu tun, die sich in der Wahrnehmung zu einer allgemeinen Unfallhäufung verdichten.“ Für die jeweiligen Vorfälle sei nicht der Flugplatz verantwortlich. Auch mit mehr Personal hätte man nichts gegen Fehler oder Motoraussetzer tun können. Zudem gebe es keine Weisungsbefugnis gegenüber Piloten, weil es sich anders als bei Flughäfen wie Bremen nur um einen unkontrollierten „Verkehrslandeplatz“ handele. Die Flugleitung könne nur Informationen oder Empfehlungen aussprechen, keine Anweisungen erteilen. Landungen seien nicht schwieriger als auf anderen Flugfeldern.
Sperrung keine Option
Das Airfield stand zuletzt auch wegen Lärmproblemen in der Kritik. Eine Sperrung sei keine Alternative, hatte Ralf Sauer, Geschäftsführer der Flugplatzbetreiberin Atlas Airfield GmbH, erklärt. Es bestehe eine Betriebspflicht, Ganderkesee sei Teil des öffentlichen Verkehrssystems.
Abschaffen will auch die lokale Politik den Flugplatz nicht, darunter die SPD-Fraktion. „Damit, dass Unfälle im Flugbetrieb passieren, muss man rechnen. Die passieren auch im Straßenverkehr. Das Verkehrssystem Straße/Autobahn schaffen wir ja auch nicht ab“, sagte der SPD-Fraktionschef Ulf Moritz.
Als großer Arbeitgeber sei der Platz bedeutend für die örtliche Wirtschaftskraft. Ziel müsse aber sein, die Lärmbelästigung zu reduzieren. Im Flugbetrieb sieht Moritz keine Gefahr: „Ich glaube nicht, dass für die Bevölkerung in letzter Zeit ein zusätzliches Risiko entstanden ist.“